Das Chemische Gleichgewicht
Entdecke die dynamische Welt reversibeler Reaktionen, das Massenwirkungsgesetz und wie Temperatur, Druck und Konzentration das Gleichgewicht beeinflussen. Grundlegende Konzepte für das Verständnis komplexer chemischer Systeme.
Chemisches Gleichgewicht - Wenn die Natur einen Kompromiss findet
Stell dir vor, du bist in einer Sporthalle, in der ein spannendes Basketballspiel stattfindet. Auf der einen Seite steht Team Rot, auf der anderen Team Blau. Die Spieler werfen ständig Bälle hin und her. Jetzt stell dir vor, dass genauso viele Bälle von Rot nach Blau fliegen wie umgekehrt. Obwohl alle in Bewegung sind, ändert sich die Anzahl der Bälle auf jeder Seite nicht mehr. Das ist genau wie ein chemisches Gleichgewicht!
In unserem Alltag begegnen uns chemische Gleichgewichte überall, oft ohne dass wir es bemerken:
Das Sprudelwasser in deiner Flasche
Kohlenstoffdioxid löst sich im Wasser und bildet Kohlensäure. Gleichzeitig zerfällt diese wieder zu CO₂ und Wasser. Wenn du die Flasche öffnest, entweicht das Gas und das Gleichgewicht verschiebt sich - das Getränk wird "schal".
Dein Smartphone-Akku
Die Lade- und Entladevorgänge in wiederaufladbaren Batterien sind reversible Reaktionen, die im Gleichgewicht stehen können.
Die Farbe deines Rotkohlsalats
Je nachdem, ob du Essig oder Natron hinzugibst, ändert sich die Farbe von rot zu blau - ein sichtbares Zeichen für ein verschobenes chemisches Gleichgewicht.
Stell dir das chemische Gleichgewicht wie einen Tauziehwettbewerb vor, bei dem beide Seiten gleich stark sind. Niemand gewinnt, aber beide Teams ziehen kontinuierlich. Oder wie einen Bahnhof, in dem ständig gleich viele Menschen ein- und aussteigen, sodass die Anzahl der Wartenden konstant bleibt, obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herrscht.
Was wäre, wenn du in einem solchen System etwas verändern könntest? Was passiert, wenn plötzlich mehr Personen auf den Bahnhof strömen oder ein Team beim Tauziehen Verstärkung bekommt? Genau das machen wir in der Chemie, wenn wir Gleichgewichte beeinflussen - und das Verständnis davon ermöglicht uns, vom Klimaschutz bis zur Medikamentenentwicklung einige der wichtigsten Prozesse unserer modernen Welt zu steuern.
In dieser Lerneinheit entdeckst du, wie Chemiker*innen diese dynamischen Systeme verstehen und kontrollieren können. Du lernst, warum manche Reaktionen nie vollständig ablaufen, wie sich Gleichgewichte verschieben lassen und wie du das in Experimenten selbst beobachten kannst.
1. Grundlagen des chemischen Gleichgewichts
In vielen chemischen Reaktionen laufen Hin- und Rückreaktion gleichzeitig ab, bis sich ein dynamisches Gleichgewicht einstellt. Im Gleichgewichtszustand sind die Geschwindigkeiten von Hin- und Rückreaktion gleich groß, und die Konzentrationen der beteiligten Stoffe bleiben konstant.
Umkehrbarkeit chemischer Reaktionen
Voraussetzung für ein chemisches Gleichgewicht ist die Reversibilität der Reaktion:
- Reaktionen, die in beide Richtungen ablaufen können
- Im Gleichgewicht laufen Hin- und Rückreaktion mit gleicher Geschwindigkeit ab
- Dargestellt durch den Doppelpfeil: \(\rightleftharpoons\)
- Beispiel: Estersynthese und -hydrolyse
Merkmale des chemischen Gleichgewichts
Ein System im chemischen Gleichgewicht zeichnet sich aus durch:
- Konstante Konzentrationen aller beteiligten Stoffe
- Dynamischer Prozess (ständiger Stoffumsatz)
- Einstellbar von beiden Seiten der Reaktionsgleichung
- Nur in geschlossenen Systemen vollständig erreichbar
1.1 Verschiedene Arten von Gleichgewichten
Je nach Verhältnis der Konzentrationen von Edukten und Produkten im Gleichgewichtszustand unterscheiden wir verschiedene Situationen:
Erklärung der Konzentrations-Zeit-Diagramme
Die beiden Diagramme veranschaulichen den zeitlichen Verlauf der Konzentrationen von Edukten und Produkten bis zur Einstellung des chemischen Gleichgewichts für zwei unterschiedliche Reaktionstypen:
Diagramm 1: Gleichgewicht auf der Produktseite (Kc >> 1)
In diesem Diagramm sehen wir eine Reaktion, bei der das Gleichgewicht stark auf der Produktseite liegt:
- Die blaue Kurve zeigt die Konzentration der Edukte, die zu Beginn hoch ist und dann stark abfällt, bis sie sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.
- Die rote Kurve zeigt die Konzentration der Produkte, die von null ausgehend schnell ansteigt und sich dann auf einem hohen Niveau stabilisiert.
- Ab der gestrichelten Linie ist das Gleichgewicht erreicht - ab diesem Zeitpunkt verlaufen beide Kurven horizontal, was bedeutet, dass sich die Konzentrationen nicht mehr ändern.
- Die Produktkonzentration ist im Gleichgewicht deutlich höher als die Eduktkonzentration, was typisch für Reaktionen mit einer Gleichgewichtskonstante Kc >> 1 ist.
Beispiel: Die Dissoziation von Essigsäure in Wasser, wo im Gleichgewicht der größte Teil der Essigsäure in dissoziierter Form vorliegt (wenn auch nicht vollständig).
Diagramm 2: Gleichgewicht auf der Eduktseite (Kc << 1)
In diesem Diagramm sehen wir eine Reaktion, bei der das Gleichgewicht stark auf der Eduktseite liegt:
- Die blaue Kurve zeigt die Konzentration der Edukte, die zu Beginn hoch ist und nur leicht abfällt, bis sie sich auf einem hohen Niveau stabilisiert.
- Die rote Kurve zeigt die Konzentration der Produkte, die von null ausgehend nur leicht ansteigt und sich dann auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.
- Ab der gestrichelten Linie ist das Gleichgewicht erreicht - ab diesem Zeitpunkt verlaufen beide Kurven horizontal, was bedeutet, dass sich die Konzentrationen nicht mehr ändern.
- Die Eduktkonzentration ist im Gleichgewicht deutlich höher als die Produktkonzentration, was typisch für Reaktionen mit einer Gleichgewichtskonstante Kc << 1 ist.
Beispiel: Die Dimerisation von Stickstoffdioxid, wo bei Raumtemperatur nur ein kleiner Teil des Stickstoffdioxids als Dimer N2O4 vorliegt.
Wichtige Merkmale beider Diagramme
- Dynamischer Prozess: Obwohl die Konzentrationen im Gleichgewicht konstant bleiben, laufen Hin- und Rückreaktion kontinuierlich weiter.
- Übergangsphase: Vor Erreichen des Gleichgewichts zeigen die Kurven einen nicht-linearen Verlauf, da sich die Reaktionsgeschwindigkeiten von Hin- und Rückreaktion mit den Konzentrationen ändern.
- Stabilisierung: Im Gleichgewicht sind die Konzentrationen konstant (horizontale Linien), weil die Geschwindigkeiten von Hin- und Rückreaktion gleich sind.
Diese Diagramme helfen zu verstehen, warum manche Reaktionen scheinbar unvollständig ablaufen oder warum unter bestimmten Bedingungen bestimmte Stoffe dominieren.
1.2 Verschiedene Arten von Gleichgewichten
Gleichgewicht auf der Produktseite (Kc >> 1)
Wenn das Gleichgewicht stark auf der Produktseite liegt, bedeutet dies:
- Die Hinreaktion ist thermodynamisch begünstigt
- Im Gleichgewicht liegt deutlich mehr Produkt als Edukt vor
- Die Gleichgewichtskonstante K ist viel größer als 1
Beispiele aus dem Alltag:
- Essigsäure in Wasser: \(\ce{CH3COOH + H2O}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{CH3COO^- + H3O^+}\) (K ≈ 1,8 · 10-5)
Obwohl K klein erscheint, liegt das Gleichgewicht bei verdünnter Essigsäure deutlich auf der rechten Seite, da wir einen großen Wasserüberschuss haben. - Verbrennung von Methanol: \(\ce{2CH3OH + 3O2}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{2CO2 + 4H2O}\) (K sehr groß)
Diese Reaktion läuft praktisch vollständig ab.
Gleichgewicht auf der Eduktseite (Kc << 1)
Wenn das Gleichgewicht stark auf der Eduktseite liegt, bedeutet dies:
- Die Rückreaktion ist thermodynamisch begünstigt
- Im Gleichgewicht liegt deutlich mehr Edukt als Produkt vor
- Die Gleichgewichtskonstante K ist viel kleiner als 1
Beispiele aus dem Alltag:
- Stickstoffdioxid-Dimerisation: \(\ce{2NO2}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{N2O4}\)
Bei Raumtemperatur liegt ein Gleichgewicht vor, das bei steigender Temperatur zur Eduktseite verschoben wird. - Löslichkeit von Sauerstoff in Wasser: \(\ce{O2(g)}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{O2(aq)}\)
Die geringe Löslichkeit von Sauerstoff in Wasser ist ein Gleichgewicht, das stark auf der Gasseite liegt.
1.3 Bedeutung für Alltagsprozesse
Die verschiedenen Arten von Gleichgewichten haben direkte Auswirkungen auf Prozesse, die wir täglich erleben:
Kohlensäurehaltiges Wasser
Das Gleichgewicht
liegt auf der linken Seite (K << 1), was erklärt, warum Kohlendioxid aus geöffneten Getränken entweicht.
Metallkorrosion
Die Oxidation von Eisen
hat ein Gleichgewicht weit auf der Produktseite (K >> 1), was erklärt, warum Metalle in Gegenwart von Sauerstoff und Feuchtigkeit korrodieren.
Kalk im Leitungswasser
Das Gleichgewicht
wird durch Temperaturerhöhung zur rechten Seite verschoben, was die Kalkablagerungen in Wasserkochern erklärt.
Die Lage des Gleichgewichts bestimmt letztlich, ob und wie weit eine Reaktion unter gegebenen Bedingungen abläuft und wie wir diese Reaktionen für technische oder alltägliche Zwecke nutzen können.
2. Das Massenwirkungsgesetz (MWG)
Das Massenwirkungsgesetz beschreibt quantitativ die Zusammensetzung eines Systems im chemischen Gleichgewicht durch die Gleichgewichtskonstante K.
Allgemeine Form des Massenwirkungsgesetzes
Für die allgemeine Reaktion: \(\ce{aA + bB}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{cC + dD}\) gilt:
wobei:
- Kc = Gleichgewichtskonstante (bezogen auf Konzentrationen)
- [A], [B], [C], [D] = Gleichgewichtskonzentrationen in mol/L
- a, b, c, d = stöchiometrische Koeffizienten
Interpretation der Gleichgewichtskonstante
Der Wert der Gleichgewichtskonstante gibt Auskunft über die Lage des Gleichgewichts:
Kc >> 1
Das Gleichgewicht liegt weit auf der Produktseite:
- Die Hinreaktion ist stark begünstigt
- Die Produktkonzentrationen überwiegen
- Edukte reagieren nahezu vollständig
Kc << 1
Das Gleichgewicht liegt weit auf der Eduktseite:
- Die Rückreaktion ist stark begünstigt
- Die Eduktkonzentrationen überwiegen
- Nur wenig Produkt wird gebildet
Kc ≈ 1
Das Gleichgewicht liegt in der Mitte:
- Hin- und Rückreaktion ähnlich stark
- Edukte und Produkte in vergleichbaren Konzentrationen
3. Berechnung und Interpretation der Gleichgewichtskonstante
Die Gleichgewichtskonstante ist eine fundamentale Größe zur Beschreibung chemischer Gleichgewichte. Ihre Berechnung und Interpretation ist wichtig für das Verständnis und die Vorhersage von Reaktionsverläufen.
Beispiel: Berechnung der Gleichgewichtskonstante für die Ammoniaksynthese
Reaktionsgleichung: \(\ce{N2(g) + 3H2(g)}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{2NH3(g)}\)
Gegeben sind die Gleichgewichtskonzentrationen:
- [N2] = 0.2 mol/L
- [H2] = 0.1 mol/L
- [NH3] = 0.04 mol/L
Berechnung von Kc:
Interpretation: Kc = 8.0 > 1 bedeutet, dass das Gleichgewicht leicht auf der Produktseite liegt.
Berechnung von Gleichgewichtskonzentrationen
Mit dem Massenwirkungsgesetz können auch die Gleichgewichtskonzentrationen berechnet werden, wenn die Gleichgewichtskonstante und einige Konzentrationen bekannt sind.
Hinweis zur Berechnung
Bei der Berechnung von Gleichgewichtskonzentrationen mit dem MWG sollte zwischen zwei Fällen unterschieden werden:
- Δν = 0: Die Summe der stöchiometrischen Koeffizienten ist auf beiden Seiten gleich. In diesem Fall kann Kc direkt mit den Konzentrationen berechnet werden.
- Δν ≠ 0: Die Summe der stöchiometrischen Koeffizienten unterscheidet sich. Hier müssen Stoffmengenänderungen berücksichtigt werden, da sich das Volumen während der Reaktion ändern kann.
Bei Estersynthesen (z.B. \(\ce{CH3COOH + CH3CH2OH}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{CH3COOCH2CH3 + H2O}\)) ist Δν = 0, was die Berechnung vereinfacht.
4. Beeinflussung des chemischen Gleichgewichts - Das Prinzip von Le Chatelier
Das Prinzip von Le Chatelier (auch Prinzip des kleinsten Zwangs) besagt, dass ein System im Gleichgewicht einer äußeren Störung ausweicht, indem es in Richtung eines neuen Gleichgewichtszustands reagiert, der die Störung minimiert.
Einflussfaktoren auf das chemische Gleichgewicht
1. Temperatureinfluss und dynamisches Gleichgewicht
Die Temperatur beeinflusst als einziger Faktor den Wert der Gleichgewichtskonstante:
- Exotherme Reaktion: Eine Temperaturerhöhung verschiebt das Gleichgewicht zur Eduktseite (K wird kleiner)
- Endotherme Reaktion: Eine Temperaturerhöhung verschiebt das Gleichgewicht zur Produktseite (K wird größer)
Animation: Apfelkrieg-Modell
Animation: Der Apfelkrieg als Modell eines dynamischen chemischen Gleichgewichts
Diese Animation veranschaulicht die grundlegenden Prinzipien des chemischen Gleichgewichts und dessen Beeinflussung durch äußere Faktoren:
- Ausgangssituation: Alle 18 Äpfel liegen im Feld des Großvaters.
- Einstellung des Gleichgewichts: Nach Klick auf "Start" beginnt der Großvater, Äpfel zu seinem Enkel zu werfen. Sobald der Enkel einige Äpfel hat, wirft er ebenfalls Äpfel zurück. Allmählich stellt sich ein Gleichgewicht ein, bei dem beide Seiten mit gleicher Geschwindigkeit Äpfel werfen (12 Äpfel beim Großvater, 6 beim Enkel).
- Beeinflussung des Gleichgewichts: Durch Klick auf den Temperaturerhöhungs-Button kann der Großvater schneller werfen (analog zu einer erhöhten Reaktionsgeschwindigkeit bei Temperaturerhöhung). Dadurch stellt sich ein neues Gleichgewicht mit mehr Äpfeln auf der Enkelseite ein (10 Äpfel beim Großvater, 8 beim Enkel).
Dieses Modell veranschaulicht wichtige Aspekte des chemischen Gleichgewichts:
- Das dynamische Wesen des Gleichgewichts: Selbst im Gleichgewichtszustand finden ständig Hin- und Rückreaktionen statt.
- Die Gleichgewichtskonstante K als Verhältnis zwischen den Konzentrationen.
- Die Verschiebung des Gleichgewichts durch äußere Einflüsse nach dem Prinzip von Le Chatelier.
2. Konzentrationseinfluss
Änderungen der Konzentrationen beeinflussen die Gleichgewichtslage, nicht jedoch die Gleichgewichtskonstante:
- Erhöhung der Eduktkonzentration: Gleichgewicht verschiebt sich zur Produktseite
- Erhöhung der Produktkonzentration: Gleichgewicht verschiebt sich zur Eduktseite
- Entfernen eines Stoffes: Gleichgewicht verschiebt sich zur Seite dieses Stoffes
Animation: Konzentrationseinfluss im Apfelkrieg-Modell
3. Druckeinfluss
Bei Reaktionen mit Gasen beeinflusst der Druck die Gleichgewichtslage, jedoch nicht die Gleichgewichtskonstante:
- Druckerhöhung: Gleichgewicht verschiebt sich zur Seite mit weniger Gasteilchen
- Drucksenkung: Gleichgewicht verschiebt sich zur Seite mit mehr Gasteilchen
- Kein Einfluss: Bei gleicher Anzahl von Gasteilchen auf beiden Seiten der Reaktion
Hinweis zur Gleichgewichtskonstante bei Gasreaktionen
In dieser Animation verwenden wir die Gleichgewichtskonstante Kp, die auf Partialdrücken basiert, anstelle von Kc, die auf Konzentrationen basiert. Dies ist bei Gasreaktionen oft praktischer, da sich bei Druckänderungen die Volumina und damit die Konzentrationen ändern.
Wichtig zu verstehen ist: Bei einer Druckänderung verschieben sich die Stoffmengenanteile im Gleichgewicht, aber beide Gleichgewichtskonstanten Kp und Kc bleiben konstant. Sie sind intrinsische Eigenschaften des chemischen Systems bei einer gegebenen Temperatur.
Die beiden Konstanten hängen über die Beziehung Kp = Kc · (RT)Δn zusammen, wobei Δn die Änderung der Molzahl gasförmiger Teilchen ist. Bei der hier gezeigten Reaktion N2O4 ⇌ 2 NO2 ist Δn = 1, da aus 1 Mol Gasteilchen 2 Mol entstehen.
Animation: Druckeinfluss auf das Gleichgewicht
Zentrale Erkenntnis: Kp bleibt konstant!
Wichtigste Beobachtung aus dieser Animation: Obwohl sich die Anzahl der N₂O₄- und NO₂-Moleküle bei Druckänderungen deutlich ändert, bleibt die Gleichgewichtskonstante Kp = 0.1 atm konstant!
- Bei Druckerhöhung: Mehr N₂O₄ (weniger Teilchen) → aber Kp = 0.1 atm ✓
- Bei Drucksenkung: Mehr NO₂ (mehr Teilchen) → aber Kp = 0.1 atm ✓
- Fazit: Der Druck beeinflusst die Lage des Gleichgewichts, aber nicht die Gleichgewichtskonstante Kp!
5. Praktisches Beispiel: Estersynthese und -hydrolyse
Die Reaktion zwischen einer Carbonsäure und einem Alkohol zur Bildung eines Esters und Wasser ist ein klassisches Beispiel für ein chemisches Gleichgewicht.
Reaktionsgleichung der Estersynthese
Am Beispiel von Essigsäureethylester:
Herstellung von Essigsäureethylester
Um das Gleichgewicht zur Produktseite zu verschieben:
- Überschuss an Essigsäure oder Ethanol verwenden
- Kontinuierliche Entfernung des Wassers (z.B. durch Molekularsieb)
- Einsatz von Katalysatoren (z.B. konz. Schwefelsäure)
Hydrolyse von Essigsäureethylester
Um die Spaltung des Esters zu fördern:
- Überschuss an Wasser verwenden
- Katalyse durch Säuren oder Basen
- Kontinuierliche Entfernung eines Produkts
Experiment: Beeinflussung des Estergleichgewichts
Material: Essigsäure, Ethanol, konzentrierte Schwefelsäure, Wasser, Reagenzgläser
Teil 1: Synthese des Esters
- In einem Reagenzglas gleiche Mengen Essigsäure und Ethanol mischen
- Einige Tropfen konzentrierte Schwefelsäure als Katalysator zugeben
- Mischung vorsichtig erwärmen und am charakteristischen Geruch des Esters erkennen
Teil 2: Hydrolyse des Esters
- Zu einer Probe des gebildeten Esters einen großen Überschuss Wasser zugeben
- Mischung erwärmen und beobachten, wie der Estergeruch abnimmt
Erklärung: Nach dem Prinzip von Le Chatelier verschiebt ein Überschuss eines Edukts das Gleichgewicht zur Produktseite (Synthese) und ein Überschuss an Wasser verschiebt das Gleichgewicht zur Eduktseite (Hydrolyse).
6. Berechnung von Gleichgewichtskonzentrationen
Mit diesem Rechner kannst du Gleichgewichtskonzentrationen und die Gleichgewichtskonstante für eine Reaktion vom Typ
berechnen.
Berechnung der Gleichgewichtskonstante Kc
Stöchiometrische Koeffizienten:
Gleichgewichtskonzentrationen (mol/L):
7. Übungsaufgaben zum chemischen Gleichgewicht
Übungsaufgabe 1: Berechnung der Gleichgewichtskonstante
Bei der Reaktion A + B ⇌ 2C wurden im Gleichgewicht folgende Konzentrationen gemessen: [A] = 0.4 mol/L, [B] = 0.4 mol/L und [C] = 0.6 mol/L. Berechne die Gleichgewichtskonstante Kc.
Übungsaufgabe 2: Gleichgewichtsverschiebung nach Le Chatelier
Betrachte das Gleichgewicht: \(\ce{N2(g) + 3H2(g)}\) \(\rightleftharpoons\) \(\ce{2NH3(g) + \text{Wärme}}\)
Gib an, in welche Richtung sich das Gleichgewicht verschiebt bei:
- Erhöhung der H2-Konzentration
- Erhöhung der Temperatur
- Druckerhöhung
- Zugabe eines Katalysators